Beispielseiten Kapitel 2

Kapitel 2

Es war Anfang April, die Erde erblühte wieder zu neuem Leben. Diese Zeit war immer wie ein neues Erwachen. Das noch frische satte Grün an den Bäumen und Sträuchern roch stark. Die Lebensgeister fingen an, sich in mir zu rühren. Es war wunderschön, die Sonnenstrahlen im Gesicht am Morgen zu spüren.  „Genau der richtige Zeitpunkt, um mit etwas Neuem zu beginnen“, brach ich während unserer Fahrt zu dem Schamanen plötzlich heraus. Meine Mutter bog plötzlich nach rechts ab und fuhr das Auto an den Waldesrand.  „Hier machen wir jetzt Frühstück“, beschloss sie und stieg aus. Ja, sie hatte recht, es war ein schöner Platz, um eine Pause zu machen und noch eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. „Bist du aufgeregt?“, fragte ich sie.  „Nein, ich bin ganz ruhig und wie geht es dir?“, sie schaute mich lächelnd an. Ich sah in mich, fragte meinen Bauch, aber konnte kein Zeichen der Unruhe feststellen. „Es geht mir gut, ich freue mich sehr auf heute und ich habe ein gutes Gefühl.“ Es stimmte wirklich, ich sehnte mich nach dem Treffen mit dem Schamanen, obwohl ich ihn nie zuvor gesehen oder von ihm gehört hatte. Etwas hatte ich in dem Flyer schon über ihn gelesen. So beherrschte er ganze sechzehn Sprachen. Ich kramte in mir und hatte nicht einmal annähernd so einen Sprachschatz. Wie lernte man bloß so viele Sprachen? In mir wuchs ein Bild dieses Mannes. Er sah bestimmt wie ein alter Indianer aus, mit etwas dunklerer Haut, einem kantigen Kinn und scharfen Augen. Seine Kleidung war vielleicht mexikanischer Art und er selbst würde klein und gedrungen sein. Ich erträumte ein Bild, wie es vielleicht sein könnte und konnte es kaum erwarten dieses Bild in Wirklichkeit zu sehen. Wir fuhren wieder weiter und nach nicht allzu langer Zeit erreichten wir diesen kleinen Ort in Mecklenburg- Vorpommern. Ich fühlte mich wohl in der Umgebung. Eine Katze flitzte an meinen Beinen vorbei, gefolgt von zwei großen Hunden. Wir standen still und ließen uns beschnuppern. Mit einem freundlichem Wedeln ihrer Rute wurden wir für gut empfunden und durften unseren Weg weiter fortsetzen. Vor uns tat sich eine größere Hofanlage auf, in deren Hintergrund ein Bach zu hören war. Das Gebäude war sehr groß und alt und erinnerte mich ein wenig an einen mittelalterlichen Marktplatz. Obst und Gemüse standen zum Kaufen da. Es war, als ob man eine Grenze durchbrach hier eben noch das einundzwanzigste Jahrhundert, nun das siebzehnte Jahrhundert. Auch wenn ich in der Großstadt aufgewachsen war und nun auf dem Dorf lebte, so war das hier trotz allem wieder anders. Der Fußboden war mit Steinen gepflastert, und alte Gemäuer hatten mit ihren großen, schweren Türen die Jahrhunderte überdauert. Wir traten in eines von ihnen ein. Freundlich wurden wir von einem jungen Mann begrüßt, der, wie sich später herausstellte, der Eigentümer war. Er führte uns in einen Nebenraum. „Sie kommen also auch wegen einer Behandlung?“, fragend schaute er uns an und sprach sogleich weiter. „Bitte setzen Sie sich hin, es wird jemand kommen, um Sie zu holen.“ Er wartete unsere Antwort gar nicht ab und ließ uns in diesem Raum allein. Ein großer runder Holztisch stand in der Mitte, an dem schon eine Frau wartend saß. Wir begrüßten uns gegenseitig und setzen uns zu ihr. Gleich kam das Gespräch auf den von uns erwarteten Schamanen. Langsam kam etwas Nervosität auf und wie üblich in solchen Fällen suchte ich erst mal die Toilette auf. Bei der Rückkehr sah ich, wie jemand meine Mutter gerade umarmte. Hatte ich etwas verpasst? Noch mit den Gedanken beschäftigt, was hier gerade passierte und wer der Mann war, kam dieser auch schon lächelnd auf mich zu, breitete seine Arme wie ein Adler beim Flug aus und umarmte mich herzlich. Ich war überrascht und auf solch eine Begrüßung gar nicht vorbereitet. Sie fühlte sich warm und herzlich an und mir kam es vor, als ob er testen wollte, was in mir war. Die Umarmung dauerte gefühlte fünf Minuten und ich war so überrascht davon, dass ich mit meiner Hand auf seine Schulter klopfte, nach dem Motto, nun sei es ja gut. Er ließ mich los und schaute tief in meine Augen. Ich war noch völlig irritiert und fing dann doch an, ihn mir genauer anzusehen. Erst da kam mir in den Sinn, dass dies der Schamane sein musste. Aber ... aber ... es stotterte in mir. Ich bekam ein völlig anderes Bild. Er war doch noch so jung. Ich schätzte ihn auf Anfang dreißig. Sein Körper war gertenschlank, seine Bewegungen waren sehr fließend und anmutig. Die Haare trug er lang bis weit über die Schultern und ein Bart zierte sein schmales, längliches Gesicht. Um den Hals hing eine Lederkette mit Holzperlen. Ich sah in seine Augen und wenn ich sie jetzt im Nachhinein zu beschreiben versuche, finde ich kaum die passenden Worte. Sie waren feurig, lebendig und sprühten Funken. Ich hatte mich in meiner Vorstellung total geirrt, war aber dennoch dermaßen positiv überrascht, dass ich wie versteinert dastand und ihn ansah. Seine hellen Gewänder machten aus ihm einen lebendigen Jesus Christus. Ja, alles in allem stand er so wie Jesus Christus vor mir da. Nur in seinen Augen hatte sich meine Fantasie nicht getäuscht. Ich war etwas verunsichert, weil ich mit seinem Erscheinungsbild nicht gerechnet hatte. Er schaute nun von mir weg und ich nutzte die Gelegenheit, um Luft zu holen. Erstaunlicherweise wurde es in mir schnell ruhig.Wir setzten uns alle an den Tisch zurück. Er saß rechts von mir und ich nahm den Blick nicht von ihm.  „Seid ihr sicher, dass ihr eine Behandlung erhalten möchtet?“, sprach er plötzlich auf Deutsch zu uns. Irritiert schaute ich ihn an, warum fragte er uns das? Fast wie im Chor hörte ich unsere Stimmen gemeinsam sagen, „Ja, ich bin mir sicher“. Seine Stimme klang weich und so bat er dann, dass die Nächste mit ihm kommen sollte. Meine Mutter sah mich fragend an und ich signalisierte, dass sie ruhig als Erste gehen solle. „Na, dann komm“, hörte ich ihn noch sagen, bevor sie auch schon aus dem Raum verschwanden. Noch halbwegs geschockt blickte ich zur anderen Frau. Sie lächelte mich an. „Ja, er ist erstaunlich, findest du das nicht auch?“ Ich nickte ihr zu. „Sein Deutsch ist gut, ich hatte das gar nicht erwartet!“  „Er lebte bereits in vielen Ländern“, fing sie an zu erzählen. „Die meisten dieser Länder kennt man nur, weil man sie schon mal mit dem Finger auf der Landkarte berührte. Er ist weltweit als Schamane, Heiler und Schulmediziner anerkannt. Sogar bei den Basler Psi-Tagen ist er ständig dabei. Er war zuvor in der Schweiz und hat dort Seminare und Vorträge gehalten.“ Sie endete ihren kleinen Vortrag und lächelte weiter. Bei so viel Wissen und so vielen Fähigkeiten kam ich mir plötzlich ziemlich klein und unbedeutend vor. Was würde mich wohl da drin bei ihm erwarten? Die Frau stand auf und wendete sich mir zu. „Ich gehe noch mal etwas spazieren, ich habe keinen Termin, ich warte, bis alle fertig sind.“ Sie drehte sich um und verschwand. Ich bemerkte wieder, dass ich wohl zum Smalltalk nicht geboren war. Hm, da saß ich nun alleine mit mir und schaute mich im Raum um. Neben mir stand ein Regal. Ich fand ein paar interessante Bücher und stöberte in ihnen. Warten war noch nie meine Stärke gewesen. Nervös blätterte ich in den Seiten. Dann stand ich auf und lief ein paar Male hin und her, sah aus dem Fenster und ließ mich wieder auf den Stuhl fallen. Viele solcher Phasen des ruhigen Sitzens und des nervösen Auf- und Abgehens folgten noch. Dann öffnete sich die Tür und meine Mutter kam nach Stunden wieder zurück. Sie lief wie auf Pudding und ich musste grinsen. Eine unwahrscheinliche Veränderung war mit ihr vorgegangen. Zum einen sah sie total erschöpft aus, fertig und müde, aber zum anderen auch sehr, sehr glücklich. Als ihr Körper auf dem Stuhl neben mir plumpste, hörte ich sie sagen: „Haide, egal was passiert, lasse dich auf alles ein.“ Erstaunt schaute ich sie an. Was war denn das jetzt? Was meinte sie? Wovon redete sie? Meine Aufregung schoss plötzlich ins Unendliche und ich bekam richtig Bauchweh. Da stand er auch schon plötzlich im Türrahmen. An meiner Mutter war eine riesige Veränderung zu sehen, warum aber bei ihm nicht, schoss es mir durch den Kopf. Er strahlte, sein Lächeln brachte Wärme und Ruhe zu mir. Ich erhob mich wie in Zeitlupe vom Stuhl und wir verschwanden zusammen in Richtung seines Zimmers. Meine Gefühle waren gemischt und die Anspannung stieg. Ich stand vor der Tür zum Zimmer und in nur Bruchteilen von Sekunden fragte ich mich, was mich dahinter erwartete. Gedanken rasten in einer Zeitrechnung, die niemand kannte.

Der Augenblick kam und wir gingen hinein. Am liebsten wäre ich im Türrahmen stehen geblieben, um mich festzuhalten. Es haute mich einfach um. Denn dieser Raum war gefüllt mit einer anderen Energie, die ich so nicht kannte. Der Raum war groß und hell, mit viel verarbeitetem Holz. Mein Blick ging zum großen Fenster hinüber. Dort sah ich den Bach entlangfließen. Im Zimmer befand sich eine Behandlungsliege. Ein großer hölzerner Tisch war geschmückt mit Steinen, Federn, Bildern und vielem mehr. Ein Altar. Es roch wie magisch, als ob der Duft die Aufregung einfangen würde und umwandelte in Ruhe. Ich fühlte mich wie in einem Traum und bat ihn, diesen bitte nicht enden zu lassen. „Setz dich erst mal“, hörte ich seine Stimme und er zeigte auf einen Stuhl in seiner Nähe. „Wie heißt du?“, fragte er. „Haide“, sagte ich. „Hallo Haide, ich bin Zou Kai Kin. Nennst du mir mal dein Geburtsdatum?“  Ich sagte ihm das Datum und er gab es in seinen Laptop ein. Sein Gesicht veränderte sich. Erstaunt schaute er in den Monitor und dann wieder zu mir. Was hatte das zu bedeuten, waren es keine guten Zahlen? Ich sah ihn zum ersten Mal irritiert. Wieder tief in meine Augen blickend sprach er: „Du hast das gleiche Maya-Zeichen wie meine Frau, die Nacht. Nur sehr wenige Menschen haben dieses Zeichen.“ Okay, dachte ich, dann konnte es ja nicht verkehrt sein, wenn seine Frau das Zeichen auch hatte. Was es aber für mich bedeutete, ließ er in diesem Moment offen. „Sag mir, Haide, wie würdest du den Begriff Verliebtheit definieren?“ Was sollte denn diese Frage, huschte es in meinem Kopf umher. Schließlich war ich nicht verliebt oder sah er etwas, was noch nicht da war? „Es ist ein Zustand, der sehr, sehr glücklich macht. Ein Flattern im Bauch und in den Gefühlen, ein Chaos im Kopf. Ein Zustand, der bedingungslose Liebe erzeugt, da man in diesem Zustand nicht wertet, nur den Augenblick genießt. Der aber leider meist nur von kurzer, zu kurzer Dauer ist.“ „So, so“, meinte er, „dann projektiere dir diesen Zustand doch mal auf die ewige Zeit um.“ Oh Mann, dachte ich, immer mit hundertzehn Prozent auf der Überholspur leben, platzte man da nicht irgendwann? Aber die Vorstellung sein Leben so doch zu verbringen, war gar nicht so übel.        „Bist du bereit für die Heilung und allem, was damit folgt?“ Warum fragte er mich das so geheimnisvoll? „Ja klar, deswegen bin ich doch hier!“, kam es ruhig, aber doch ganz entscheidend aus mir heraus. Er hatte ja keine Ahnung, was mich trieb, keine Ahnung von den Qualen und den Schmerzen. Ich hatte eine riesige Maschinerie von Krankenhäusern und Ärzten hinter mir und wirklich, ich wollte damit nicht mein weiteres Leben verbringen. Ich legte keine rechte Hoffnung in ihn, dennoch zog es mich magisch zu ihm hin. Ich wollte, dass er mich behandelte. Aber was ich natürlich nicht wusste, war, dass er mehr sah, als ich ahnte. Ich war bereit wie nie zuvor die Sache anzugehen. Er kam auf mich zu und wieder erstaunte mich diese Ähnlichkeit mit Christus. Seine Hände nahmen meine in die Hand und zogen mich sanft auf die Füße. Wir standen uns gegenüber und wie ein Scanner suchten seine Hände meinen Körper ab. Er schien sich jedes Detail, was er für wichtig hielt, in seinem Kopf zu notieren. ........

 

Kapitel 27

… Ich war ja so blind! Ich hatte doch tatsächlich geglaubt, dass dieses Mittel Herceptin mein Immunsystem stärkte, mich stärkte. Wie naiv konnte man eigentlich sein? Dass Herceptin unter dem Oberbegriff Chemotherapie lief, bekam ich erst viel später mit. Die Ärzte, die Medien, alle hatten mich voll im Griff. Nur durch meine Angst, durch die Saat, die noch vorhanden war, konnte das alles gedeihen und erblühen. Warum griff ich nach diesem Strohhalm? Die Begleiterscheinungen wurden immer heftiger. Das sah so aus, dass meine Knochen stark schmerzten. Ich spürte jede Bewegung. Meine Muskeln versteiften sich. Von den Schmerzen der Gelenke und Muskeln erholte ich mich gar nicht mehr. Die Haut wurde trocken und juckte. Mein Haar fiel wieder vermehrt aus und auch die Kopfhaut beruhigte sich nicht und juckte ständig. Während der Therapie begleitete mich Übelkeit. Unregelmäßige Herzschläge machten mir Angst. Unerklärlicher Husten tauchte auf. Durchfall erschwerte mein Leben. Schwächegefühle brachten mich zum Erliegen. Schläfrigkeit machte mich lustlos, gefolgt von Schlaflosigkeit, wegen der Schmerzen oder des Schwitzens. Sogar Hämorrhoiden und eine Enddarmentzündung lächelten mich an. Blasenentzündungen machten das Ganze dann noch attraktiver. Herpes im Mund verunmöglichte mir manchmal zu essen. Es gab keinen Tag ohne Schmerzen, ohne Kampf. Keine Stelle am Körper, die nicht schrie. Natürlich gesellten sich unter diesem Druck weitere Ängste und Depressionen dazu. Diese Liste ließe sich noch fortsetzen. Wie oft hatte ich den Ärzten mein Leid geklagt, wie oft ihnen erzählt, wie es mir ging. Sie meinten immer, dass dies nicht von den Medikamenten herrühren würde. Tatsächlich nicht? Mir war es aber davor doch deutlich besser gegangen und einige Erscheinungsformen hatte ich zuvor auch nicht gehabt. Einmal bekam ich ein Antibiotikum (noch so ein Kampfmittel) wegen der Blasenentzündung. Ansonsten nichts, nur leere Worte. Keine Vitamin- oder Aufbauspritzen, keine Unterstützung, keine Massagen oder einfach eine andere Art von Hilfe. Ich vegetierte Wochen, Monate nun schon vor mich hin, ich hatte keine Kraft mehr, auch nur noch irgendetwas zu tun. Mit Müh und Not schaffte ich die notwendigen Aufgaben des Alltags. Bewegung in frischer Luft? Nein, dazu hatte ich keine Kraft mehr. Ein ganzes Jahr sollte die Behandlung insgesamt dauern. Nach einem halben Jahr stand ich wieder dort, wo ich am Ende der zwei Chemos schon gewesen war. Wie sollte es nur weitergehen? Wieder abbrechen? Sollte ich nicht stark sein für die Familie und durchhalten? Hatte ich nicht Verantwortung gegenüber den anderen, gegenüber meinem Kind, meinem Partner? NEIN. HEUTE SAGE ICH NEIN. Denn das war kein Leben mehr, das war eine Lüge an mir selbst. Ich würde zum zweiten Mal den Mut aufbringen müssen und mich den Ärzten entgegenstellen. Ich begriff, dass es hier gar nicht mehr um mich ging. Es ging um den Krebs, um die vielen, vielen Euros, die den Besitzer wechselten. Ich war Versuchskaninchen. Es verdienten die Ärzte, die Pharmaindustrie, die Krankenkassen, das Krankenhaus und nicht zuletzt die Krebsforschung an mir. Was mit mir passierte, war allen egal. Die Forschung, die Milliarden an Euros bekam und solch unsinnige Medikamente herstellte – und trotzdem starben immer mehr Menschen an Krebs. Wirklich am Krebs? Nein, nur wenige starben daran, sondern an den Nebenwirkungen der Medikamente, die sie völlig fertigmachten. Die mich fertigmachten. Paradox ist doch, dass Chemo und Bestrahlung erneut wieder Krebs verursachten. Klar doch, der eine ging, der andere kam. Warum nur ging man so gegen den Menschen vor? Gegen seine natürlichen Abwehrkräfte? Warum unterstützte man sein Immunsystem nicht? Warum zerstörte man die menschliche Kraft? Krebs, den Tumor, heilte man so nicht. Aber sie verdienten ja genug! Diese sogenannte Immuntherapie mit Herceptin kostete um die dreitausend Euro pro Sitzung und das alle drei Wochen, ein Jahr lang. Das System schlug erbarmungslos zu. Die Medien, die Angst verbreiteten Angst im Fernsehen, in Zeitschriften machten sogar Werbung mit dem Krebs. Ärzte verbreiteten auch Angst, sie benannten nur die Hammermittel, aber Alternativen wurden keine benannt. Das Schlimmste ist, dass man, dass ich, dass wir diese Ängste schluckten und wir alles mit uns machen ließen, ohne uns wirklich zu informieren. Jetzt, heute, weiß ich, dass schon viele Menschen an dieser Behandlung gestorben sind. Ich selber auch fast. Das macht mich traurig, aber vor allem sehr, sehr nachdenklich. Ich weiß nicht, inwieweit ich mich nun noch mehr geschädigt habe. Hoffentlich bekomme ich noch die Kurve rechtzeitig, und dass mir noch genügend Zeit bleibt hier unten, um mit den Menschen zu leben, die ich liebe. Es wird sicherlich noch lange dauern, bis das Medikament aus meinem Körper heraus ist. Ich wünsche mir, endlich schmerzfrei zu sein, aber ich danke auch den Schmerzen, denn ohne sie hätte ich das System der Angst, des Krebses und der Behandlungen nie verstanden. Ohne die Schmerzen hätte ich nicht aufgehört. So bereitete ich ein Ritual vor. Stellte viele Kerzen, Edelsteine vor mich hin. Dann zündete ich Räucherkohle an und legte kurze Zeit später besondere Kräuter hinauf. Im Raum entwickelte sich nun eine Atmosphäre, die es mir ermöglichte, all meine Schmerzen in Frieden ziehen lassen zu können. Ich betete, sie mögen mich in Ruhe lassen, abklingen, einfach gehen und Leben in meinen Körper zurückbringen. Etwas tat sich in diesem Moment. Mein Geist versuchte, diese Schmerzen zu bündeln und sie dann ins Universum zu entlassen. Danach strömte Wärme in den Körper zurück und ich erhielt Hoffnung für die Zukunft. …